Sprachbücher zum Zürichdeutschen

KURZGRAMMATIK (schriftdeutsch)

Zürichdeutsche Kurzgrammatik (4. Auflage 2021)

Die schriftdeutsch abgefasste Grammatik stellt das Wichtigste über die zürichdeutsche Sprache zusammen. Sie enthält die elementaren Schreibregeln. Die Wortarten werden der Reihe nach durchgenommen mit Formen und Anwendungen. Die Anleitung steht drin, wie man Sätze bildet und wie man Sätze miteinander verbindet. Tabellenkästchen und Übersichten erleichtern das Verständnis. Ein Register erschliesst den Stoff.

Zusammengesetzte Sätze

Seite 59

Nicht selten spricht man Dialekten die Fähigkeit zu höherem und feinerem Gedankenausdruck ab. Begründet wird der Mangel mit dem Fehlen des reichen Instrumentariums an Satzkonstruktionen samt zugehörigen über- und unterordnenden Verbindungswörtern. Das stimmt nicht ganz. Auch andere Sprachen sind in derselben Lage; sie lösen das Problem auf die gleiche Weise wie das Zürichdeutsche: sie verbinden die Gedanken anders als die hochdeutsche Schriftsprache. Wie es eine Sprache tun muß, die man mehr spricht als schreibt und wo es auf das Verstehen beim ersten Hören ankommt. Zum Beispiel: En modèèrne mäntsch isch überrascht oder verzauberet, wän er em alten Ègipte begägnet; er schtuunet über d rue, won us den ègiptische tänkmööler würkt, und über die wält us schtäi und oornig, wo d ègipter händ chöne gschtalte vor jarhunderte.1

Möglichkeiten der Verknüpfung

Zusammenhang durch den Sinn

 (1)

.

(2)

.

(3)

.

(4)

(1) Im gägetäil: d tootebüecher sind e samlig vo aarüeff. (2) Zäichnige verschtèrched di maagisch würkig. (3) D aarüeff büürged für e glücklichs und gsägnets läben im änedraa. (4) Me mues d aarüeff nu läse oder ämel schwaarz uf wiiss bi siich haa.2

Zusammenhang durch Verweise

(1)

.

(2) <-- aarüeff

.

(3)<-- aarüeff

.

(4) <-- es, s


(1) Im gägetäil: d tootebüecher sind e samlig vo aarüeff. (2) Aarüeff mit zäichnige, won iri maagisch würkig verschtèrched. (3) Die aarüeff büürged für e glücklichs und gsägnets läben im änedraa. (4) Me mues es nu läse oder s ämel schwaarz uf wiiss bi siich haa.

Zusammenhang durch Verbindungswörter


(1)

<-- und

(2)

<--grad

(3)

<-- aber

(4)  


(1) Im gägetäil: d tootebüecher sind e samlig vo aarüeff. (2) Und zu jedem aarueff hät s e zäichnig zum di maagisch würkig verschtèrche. (3) Grad die aarüeff büürged für e glücklichs und gsägnets läben im änedraa. (4) Aber me mues es natüürli läse oder s ämel schwaarz uf wiiss bi siich haa.
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1 Wo immer der moderne Mensch, in Befremdung oder in innerer Verwandtschaft, dem alten Ägypten begegnet, erstaunt ihn das ruhige Dastehn ägyptischer Dinge, die steingewordene, ordnende Gestaltung der Welt, die vor Jahrtausenden dem ägyptischen Menschen gelungen ist.‘ Erik Hornung in der Einleitung zu den ‹Grundzügen der ägyptischen Geschichte›, Darmstadt 1965, Seite 7

2 Der Originalsatz steht bei Jean Yoyotte, Artikel ‹Totenbuch› im ‹Lexikon der ägyptischen Kultur›, übersetzt von Jürgen und Irmgard von Beckerath, Wiesbaden o. J., Seite 274: ,(1) Vielmehr sind die Totenbücher eine Sammlung von Anrufungen (2) (ergänzt durch Zeichnungen, um ihre magische Wirkung zu verstärken), (3a) die, (4) wenn man sie liest oder auch nur schwarz auf weiß bei sich hat, (3b) ein glückliches, ver­klär­tes Dasein im Jenseits gewährleisten.‘

101 Seiten, 2021, 4. Auflage
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ISBN 978-3-908105-74-9